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Der Fall Akatugba

"Ich glaubte nicht daran, dass ich überlebe"

Moses Akatugba wurde auf Grundlage eines unter Folter erpressten Geständnisses zum Tode verurteilt

23. Juni 2015 - Moses Akatugba ist frei. Zehntausende setzten sich weltweit für die Begnadigung des jungen Nigerianers ein, der zum Tode verurteilt war. In Deutschland startete die Initiative für seine Freilassung mit den "Briefen gegen das Vergessen".

Die Verwunderung dürfte groß gewesen sein: Erst waren es einzelne Zuschriften, schließlich Berge an Briefen und Postkarten aus der ganzen Welt sowie zahllose E-Mails, die bei den Behörden des nigerianischen Bundesstaates Delta eingingen. Niemand, nicht einmal Moses Akatugba selbst, hatte mit einer derartigen Unterstützung gerechnet: "Ich kannte die Aktivistinnen und Aktivisten nicht", sagt der junge Mann: "Ich habe einen Hilferuf entsendet und unglaublich viele haben sich für mich eingesetzt. Ich wusste nicht, dass die Menschen so viel Zuneigung für ihre Mitmenschen empfinden."

Amnesty International hatte unter anderem durch die "Briefe gegen das Vergessen" und den Briefmarathon im Dezember 2014 weltweit Zehntausende Menschen dazu gebracht, sich für Moses Akatugba einzusetzen. Fast zehn Jahre nach seiner Verhaftung wurde Moses Akatugba am 29. Mai begnadigt. Sein jahrelanges Martyrium war endlich vorbei.

Moses Akatugba war ein ganz gewöhnlicher Teenager. Fotos aus seiner Jugend zeigen einen unbeschwerten Jungen mit wachem Blick, dessen Traum es war, Medizin zu studieren, so wie es sich auch sein Vater für ihn wünschte. Doch dazu sollte es nie kommen. Im November 2005 wurde er auf offener Straße in seiner Heimatstadt Ekpan verhaftet, weil er angeblich Handys und eine geringe Menge Bargeld gestohlen hatte. Er war zu diesem Zeitpunkt erst 16 Jahre alt und erwartete die Ergebnisse seiner schulischen Abschlussprüfung.

Zunächst wurde Moses Akatugba in einer Kaserne festgehalten, wo Armeeangehörige ihn zwangen, eine Leiche zu identifizieren. Er hatte den Toten jedoch noch nie gesehen und konnte ihn daher auch nicht identifizieren. Daraufhin wurde er erneut geschlagen und später der Polizei übergeben.

Auch die Polizeikräfte folterten ihn mit Macheten und Schlagstöcken, hängten ihn stundenlang gefesselt in Verhörzimmern auf und rissen ihm mit Zangen Fuß- und Fingernägel heraus. All das zielte darauf ab, ein Geständnis zu erzwingen. Über mehrere Monate hinweg ertrug er die Misshandlungen und bestritt die Vorwürfe, bis er es schließlich nicht mehr aushielt: "Die Schmerzen während der Folter waren unerträglich. Ich glaubte nicht daran, dass ich überlebe", sagt Moses Akatugba. Er unterschrieb zwei vermeintliche "Geständnisse".

Im März 2006 folgte die Anklage: Man beschuldigte ihn eines bewaffneten Raubüberfalls und wandte zudem Erwachsenenstrafrecht an, obwohl er zur vermeintlichen Tatzeit nicht volljährig war.

Sieben Jahre später, im November 2013, folgte das Todesurteil. Er sollte gehängt werden. Aber die weltweite Solidarität hat ihn schließlich gerettet. Heute ist Moses Akatugba 26 Jahre alt. Die meisten seiner alten Schulfreunde haben inzwischen ihren Abschluss gemacht und studieren. Auch für ihn fängt nun ein neues Leben an: "In meinen Augen sind die Mitglieder von Amnesty International Helden und Heldinnen. Ich verspreche, dass auch ich mich für die Menschenrechte einsetzen und anderen helfen werde."