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Der iranische Ajatollah Sayed Hossein Kazemeyni Borudscherdi (englische Transkription: Boroujerdi) befand sich seit 2006 bis zum 4. Januar 2016 durchgängig in Haft in verschiedenen Gefängnissen. Der islamische Rechtsgelehrte ist Anhänger der Zwölferschia, die im Iran Staatsreligion ist. Ajatollah Borudscherdi wird verfolgt, weil er sich für eine Trennung von Religion und Staat einsetzt.

Nachdem Borudscherdi bereits 1995 und 2000 inhaftiert worden war, wurde er im Anschluss an seine erneute Inhaftierung im Jahr 2006 zu einer 11-jährigen Haftstrafe verurteilt. Seit 2008 befindet er sich im Zentralgefängnis von Yazd, seit Anfang 2009 sitzt er dort in Einzelhaft. Ajatollah Borudscherdi wurde gefoltert und befindet sich in einem sehr schlechten Gesundheitszustand. In Briefen aus dem Gefängnis bat Borudscherdi unter anderem den UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon um Hilfe. Er trat in einen Hungerstreik, nachdem die Besuchserlaubnis für seine Familie und seinen Anwalt aufgehoben wurde.

Amnesty International rief mehrfach im Rahmen der sogenannten Urgent Actions zur Unterstützung von Sayed Hossein Kazemeyni Borudscherdi auf.

Hintergrund

Berichten zufolge setzt sich Ajatollah Sayed Hossein Kazemeyni Borudscherdi dafür ein, die Religion nicht zur politischen Grundlage des Staates zu machen und befürwortet damit eine Trennung von Staat und Religion. Nach eigenen Angaben wurde er seit 1994 mehrfach vor den Sondergerichtshof für die Geistlichkeit gerufen und in den Gefängnissen Towhid und Evin inhaftiert. Es wird berichtet, dass er aufgrund von Folterungen Herz- und Nierenproblemen entwickelt hat. Borudscherdis Vater war ein prominenter Kleriker, der nicht bereit war, den Grundsatz der Welāyat-e Faghīh (Herrschaft der islamischen Rechtsgelehrten) anzuerkennen, auf dem die Islamische Republik Iran beruht. Der Vater starb im Jahr 2002 und sein Grab in der Masjed-e Nour Moschee in Teheran wurde angeblich entweiht und die Moschee vom Staat übernommen.

Chronologie

Die Ereignisse bis zur Verhaftung im Oktober 2006

Am 30. Juni 2006 führte Ajatollah Borudscherdi eine große religiöse Zeremonie im Shahid Keshvari Stadion in Teheran durch. Wie berichtet wird, nahmen am 30. Juli 2006 Sicherheitskräfte mehrere Familienmitglieder und Anhänger des Ajatollahs in ihren Wohnungen fest. Berichten zufolge versuchten die Sicherheitskräfte auch, den Ajatollah selbst zu verhaften, wurden aber durch seine Anhänger daran gehindert.

Wie berichtet wird, versuchten die Sicherheitskräfte am 3. August 2006 erneut, den Ajatollah zu verhaften, wurden aber wiederum von seinen Anhängern abgewehrt. Berichten zufolge bezogen sie daraufhin dauerhaft Positionen vor dem Haus. Am 7. September 2006 suchten Vertreter des Sondergerichtshofs für die Geistlichkeit den Ajatollah in seinem Haus auf und forderten ihn auf, vor dem Staatsanwalt für den Sondergerichtshof für den Klerus zu erscheinen, was er jedoch ablehnte. Zwischen dem 18. und 21. September 2006 schickte der Ajatollah Appellbriefe an den damaligen Generalsekretär des Europäischen Rates, Javier Solana (der im Original in persischer Sprache unter http://www.irancpi.net/pdf/kazemeiniBroujerdi-naderzahedi.pdf gelesen werden kann), den Papst und an UN Generalsekretär Kofi Annan. In seinem Schreiben an Javier Solana beschrieb der Ajatollah die Geschichte seiner Verfolgung und die jüngsten Ereignisse. Er äußerte seine Befürchtung, er werde getötet werden, wenn er der Aufforderung nachkäme, vor dem Sondergerichtshof für die Geistlichkeit zu erscheinen. Etwa zur gleichen Zeit wurde eine weitere seiner Anhängerinnen, Frau Nourbaksh, festgenommen und an einen unbekannten Ort verbracht, möglicherweise in den Trakt 209 des Evin-Gefängnisses.

Mindestens 41 Anhänger des schiitischen Geistlichen wurden Berichten zufolge am Morgen des 28. September 2006 im Hof seines Hauses in Teheran festgenommen. Vermutlich wurden sie in den Trakt 209 des Evin-Gefängnisses in Teheran gebracht, der dem Geheimdienst untersteht. Am folgenden Tag wurden bis zu 35 weitere festgenommen und bis zum 2. Oktober 2006 wurden mindestens 118 Anhänger des Ajatollahs inhaftiert. Ihre Namen sind Amnesty International bekannt.

In der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober 2006 griffen die Sicherheitskräfte Berichten zufolge das Haus des Ajatollahs an, wurden aber von seinen Anhängern abgewehrt. Ein weiterer Angriff wurde am 7. Oktober 2006 gestartet, bei dem die Sicherheitskräfte von den Anhängern des Ajatollahs mit Schwertern, Stöcken und anderen Gegenständen bekämpft wurden. Angeblich gelang es Anhängern des Ajatollahs, mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte in ihre Gewalt zu bringen. Diese wurden später wieder freigelassen, nachdem ihre Ausweise fotografiert worden waren.

8. Oktober 2006: Die Verhaftung

Am 8. Oktober 2006 wurde Ajatollah Borudscherdi schließlich in seinem Haus in Teheran, zusammen mit einer unbekannten Anzahl seiner Anhänger (möglicherweise etwa 300), festgenommen. Die Festnahmen fanden während gewaltsamer Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften statt. Es wurde angenommen, dass die Festgenommenen im Evin-Gefängnis in Teheran inhaftiert wurden.

Im Anschluss an die Festnahmen sagte Teherans stellvertretender Generalgouverneur für politische und soziale Angelegenheiten der iranischen Nachrichtenagentur ILNA: "Seit einiger Zeit haben einige sektiererische Elemente eine Reihe von Operationen in Teheran durchgeführt ... wodurch sie Bürger belästigt und Verkehrsprobleme verursacht haben ... Mittwochabend wurden einige Personen, die die Straße überquerten, von dieser Gruppe ergriffen und konnten erst befreit werden, nachdem sie zusammengeschlagen worden waren... Seit Samstag haben Schläger aus Teheran und anderen Städten, die von der Gruppe angeworben wurden, damit begonnen, die Straßen zu blockieren, die in diesen Stadtbezirk führen. Sie griffen dann die Strafverfolgungskräfte [LEF, die iranische Polizei] an, warfen Molotow-Cocktails und benutzten über tausend Hieb- und Stichwaffen, wie Messer, Dolche und Schwerter. Die LEF versuchte zunächst, Gewalt zu vermeiden, doch nachdem die Gruppe begann, LEF-Kräfte als Geiseln zu nehmen und dadurch Chaos zu verbreiten, dass sie Reifen in Brand setzten und Menschen mit Säure attackierten... blieb der LEF keine andere Wahl als einzugreifen. In sehr kurzer Zeit nahmen sie die Bewaffneten fest, beschlagnahmten die Waffen und übergaben sie den Justizbehörden. Sie entdeckten auch hunderte Hieb- und Stichwaffen sowie mehrere Schusswaffen und Granaten". Der stellvertretende Generalgouverneur sagte, es gebe keine genauen Angaben zur Zahl der Verhafteten, und fügte hinzu: "Ich möchte darauf hinweisen, dass der Herr kein Ajatollah ist. Herr Borudscherdi, der diese Vorfälle unglücklicherweise vorsätzlich herbeigeführt hat, wurde ebenfalls verhaftet."

Am 10. Oktober 2006 erschien in der iranischen Zeitung Kayhan ein nicht namentlich gekennzeichneter Artikel mit dem Titel "Über die Verschwörung des Kazemeyni-Borudscherdi; Verbreitung des Islam mit der Unterstützung von BBC und CIA ". Der Artikel beschrieb den Vorfall als Teil einer Verschwörung von westlichen Nachrichtendiensten, wie die von den USA, Israel und Großbritannien, ethnische und religiöse Minderheiten dazu zu missbrauchen, den Iran zu schädigen, und verwies auf die Tatsache, dass der Ajatollah vor seiner Verhaftung Telefonate mit ausländischen Radiosendern geführt hatte, wie dem persischsprachigen Dienst von Radio Free Europe (Radio Farda) und der British Broadcasting Corporation (BBC).

Am 11. Oktober 2006 wurde in einem anderen Bericht in Keyhan der LEF Brigadegeneral Ahmadi Moghaddam Esma'il zitiert, wonach neun Personen als Geiseln genommen, zwei Offiziere erschossen, und mehr als 300 Menschen, darunter auch "diese Person" festgenommen und ins Evin-Gefängnis verbracht worden seien.

Nach der Verhaftung

Im Dezember 2006 berichtete Amnesty International, dass anscheinend die meisten Anhänger Borudscherdis, die seit dem 28. September 2006 verhaftet wurden, wieder freigelassen worden seien, einige von ihnen auf Kaution. Allerdings blieben der Ajatollah selbst und mindestens 22 seiner Anhänger (deren Namen Amnesty International bekannt sind) immer noch in Trakt 209 des Evin-Gefängnisses inhaftiert. Es gab zunächst unbestätigte Berichte, dass Ajatollah Sayed Hossein Kazemeyni Borudscherdi einen Herzinfarkt erlitten habe und für mindestens drei Tage am oder um den 24. Oktober 2006 ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Es wurde nun angenommen, dass er sich im Evin-Gefängnis befand, wo zu befürchten war, dass er möglicherweise nicht die erforderliche medizinische Behandlung erhalten würde.

Seine Familie suchte Borudscherdi ohne Erfolg in verschiedenen Krankenhäusern Teherans. Möglich erschien, dass er unter einem anderen Namen aufgenommen wurde. Es war zunächst nicht klar, ob er, oder einer der anderen, die noch in Haft sind, Besuche von ihren Familien oder Anwälten erhalten dürften. Einer der seither Freigelassenen beschrieb, wie er bei seiner Festnahme mit Tränengas und einer Elektroschockwaffe traktiert wurde. Er berichtete, dass sich unter den Verhafteten auch die 80-jährige Mutter und der sechs Monate alte Enkel des Ajatollah befunden hätten. Die Festgenommenen wurden ins Evin-Gefängnis gebracht und dort verhört. Persönliche Gegenstände wie Mobiltelefone wurden den Freigelassenen nicht wieder ausgehändigt.

Ajatollah Borudscherdi wurde Berichten zufolge am oder um den 14. Februar 2007 herum vor dem SCC angehört. Anscheinend wurden ihm "Handlungen gegen die Sicherheit des Staates." Vorgeworfen. Ein Rechtsbeistand wurde dem Ajatollah verweigert und es wurde berichtet, er habe sich darüber beschwert, er wisse nicht, "was sie von ihm wollen." Seine Kaution wurde angeblich auf fünf Milliarden Iranische Rial (ca. US $ 564.000) festgesetzt, eine Summe, die der Ajatollah zu zahlen nicht in der Lage war. Ajatollah Borudscherdi trat in Hungerstreik, um gegen seine Haftbedingungen und die Weigerung der Behörden zu protestieren, ihn für einen Besuch bei seiner sterbenden Mutter zu beurlauben und nach ihrem Tod am 14. Februar 2007 an ihrer Beerdigung teilnehmen zu lassen.

Borudscherdis 80-jährige Mutter befand sich unter den Hunderten von Anhängern und Unterstützern des Geistlichen, die zwischen Ende September und Anfang Oktober 2006 festgenommen und im Evin-Gefängnis inhaftiert worden waren. Amnesty International erhielt Berichte, wonach sie in der Haft misshandelt wurde. Nach Kenntnis von Amnesty International wurden die meisten oder alle der Inhaftierten später freigelassen. Vier weitere Anhänger des Ajatollahs wurden Berichten zufolge um den 18. Februar 2007 herum festgenommen. Ihre Namen waren Amnesty International zunächst nicht bekannt und Amnesty International waren auch keine weiteren Details im Zusammenhang mit diesen Berichten bekannt.

Am 18. Februar 2007 wurde der älteste Sohn des Klerikers, Sayed Mahdi Kazemeyni Borudscherdi, festgenommen und in Trakt 209 des Evin-Gefängnis inhaftiert; Gründe für seine Inhaftierung waren Amnesty International zunächst nicht bekannt. Vorauslaufend waren sowohl er als auch ein weiterer Sohn des Ajatollahs, Sayed Mohammad, seit Januar 2007 mehrmals zu Verhören vor das SCC vorgeladen worden, anscheinend in Zusammenhang mit den Aktivitäten ihres Vaters.

Der Gesundheitszustand des Ajatollahs hatte sich inzwischen verschlechtert, teilweise infolge des Hungerstreiks, den er am 19. Februar 2007 im Trakt 209 des Evin-Gefängnisses in Teheran antrat. Der Ajatollah wurde während der Wintermonate in einer kalten Zelle ohne Heizung inhaftiert. Es war unklar, ob er seinen Hungerstreik fortgesetzt hatte. Darüber hinaus erlitt er angeblich während der Verhöre Folter und Misshandlungen. Während seiner Haft im Evin-Gefängnis wurde ihm die Erlaubnis verweigert, sich in der Krankenabteilung des Gefängnisses behandeln zu lassen.

Am 20. Februar 2007 wurde die Ehefrau des Ajatollahs, Frau Akram Vali Dousti, vom SCC vorgeladen.

Am 13. März 2007 wurde vom Lokalfernsehen im Iran ein angebliches "Interview" mit Ajatollah Borudscherdi ausgestrahlt. In diesem Film, der offenbar im Evin-Gefängnis entstandenen ist, wo es einen speziell ausgestatteten Raum für solche Sendungen gibt, trug der Ajatollah eine Gefängnisuniform. Der Film hatte den Titel "Lügnerische Behauptungen". Nach Amnesty International vorliegenden Berichten sprach der Ajatollah in der Sendung über seine "Lügen", wie seine armen Anhänger diese glaubten, und dass die meisten seiner Anhänger Frauen gewesen seien. Amnesty International wurde auch darüber informiert, dass das Verhalten und die Sprechweise verdeutlichten, dass der Ajatollah unter großem Stress stand.

Ajatollah Borudscherdi erschien Berichten zufolge zwischen dem 18. und 20. März 2007 vor dem Sondergericht für die Geistlichkeit (SCC). Laut einem Augenzeugen, schien er aus dem Mund zu bluten und möglicherweise gelegentlich Blut zu husten. Anscheinend war er nicht mehr in der Lage, aufrecht zu gehen.

Die Verurteilung im Juni 2007

Am 15. Juni 2007 berichtete Amnesty International über unbestätigte Berichte, wonach Ajatollah Borudscherdi am 10. Juni 2007 in Abteilung 3 des Sondergerichtshofs für den Klerus (SCC) zum Tode verurteilt worden sei. Dabei habe es sich um ein unfaires Verfahren gehandelt, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden habe. Sechs seiner Anhänger, [Namen ergänzen], wurden am 13. Juni 2007 zum Tode verurteilt.

Anderen Berichten zufolge hat jedoch am 13. Juni 2007 ein Mitarbeiter der Pressestelle des SCC mindestens zwei Nachrichtenagenturen im Iran gegenüber geäußert, dass kein Todesurteil ergangen sei und dass die Untersuchungen in der Sache gegen Ajatollah Borudscherdi fortgesetzt würden. Der iranischen Studenten-Nachrichtenagentur (ISNA) gegenüber sagte er, das Strafmaß werde möglicherweise innerhalb der nächsten zwei Monate verkündet werden.

Folgt man den unbestätigten Berichten, so wurde Ajatollah Borudscherdi in mindestens 30 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter "Krieg gegen Gott" (Moharebeh), was mit dem Tode bestraft wird.; Handlungen gegen die nationale Sicherheit; öffentlich die politische Führung durch den Klerus (Velayat-e Faqih) als rechtswidrig bezeichnet zu haben; Verbindungen mit anti-revolutionären Kreisen und Spionen unterhalten zu haben; und im öffentlichen Diskurs und im Rundfunk den Begriff "religiöse Diktatur" statt "Islamische Republik" verwendet zu haben. Weitere 62 der Anhänger des Ajatollahs sollten nach Berichten am 17. Juni 2007 vor Gericht gestellt werden. Es war zu befürchten, dass einigen oder sogar allen Angeklagten die Todesstrafe drohte.

Ajatollah Borudscherdi, der an der Parkinson-Krankheit, Diabetes, Bluthochdruck und Herzproblemen leidet, wirkte bei seinem Erscheinen vor Gericht gebrechlich, was die Befürchtungen verstärkte, dass seine Haftbedingungen sein Leben in Gefahr bringen könnten.

Hungerstreik

Am 20. Juli 2007 machte ein Brief in den iranischen Medien die Runde, der angeblich von Ajatollah Borudscherdi verfasst worden war. In diesem Brief werden Selbstkritik und Bedauern für sein Handeln geäußert und es wird angeblich "Reue" zum Ausdruck gebracht und der Oberste Führer um Vergebung gebeten. Tage später soll Ajatollah Borudscherdi bestritten haben, dass er der Urheber dieses Briefes gewesen sei, und behauptet haben, der Brief stamme vom Geheimdienstministerium.

Borudscherdi begann seinen Hungerstreik am 22. Juli 2007 und wurde am nächsten Tag ins Krankenhaus überführt. Es war zunächst nicht bekannt, ob er im Krankenhaus eine angemessene medizinische Behandlung erhielt Am 10. August 2007 teilte Amnesty International in einer Erklärung mit, es gebe Berichte, wonach Ajatollah Borudscherdi schwer erkrankt und vom Evin-Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt worden sei. Inzwischen sind bis auf zwei seiner inhaftierten Anhänger alle aus dem Gefängnis entlassen worden.

Berichten zufolge war Ajatollah Borudscherdi verweigert worden, sich auf der Krankenstation des Gefängnisses behandeln zu lassen.

Schlechte Haftbedingungen, Folter und Misshandlung haben Berichten zufolge zu einer Verschlechterung der bereits bestehenden gesundheitlichen Probleme des Ajatollah geführt und sein Gesundheitszustand hatte sich in den vergangenen Wochen wesentlich verschlechtert. Seine Parkinson-Krankheit hatte sich verschlimmert und er litt an dauerhaftem Zittern der Beine und Hände und kam häufig zu Fall. Es gab unbestätigte Berichte, er habe einen Herzinfarkt erlitten, bevor er ins Krankenhaus gebracht wurde. Berichten zufolge hatte er seit seiner Verhaftung 30 kg Gewicht verloren.

Ajatollah Borudscherdi war Berichten zufolge seit seiner Festnahme mehrfach gefoltert und misshandelt worden. Er soll geschlagen worden, gegen eine Wand gestoßen und im Schlaf mit kaltem Wasser übergossen worden sein. Es wurde behauptet, es seien Fotos und Videos von ihm aufgenommen worden, nachdem man ihn gezwungen hatte, sich zumindest teilweise zu entkleiden. Angeblich hätten die Behörden gedroht, diese in Umlauf zu bringen, um ihn zu erpressen, eine Reihe von Vorwürfen einzugestehen und seine Reue zu erklären.

Die Verurteilung im August 2007

Am 13. August 2007 wurde er zu einem Jahr Gefängnis in Teheran verurteilt, gefolgt von zehn Jahren Gefängnis in einem anderen Teil des Landes. Ihm wurde mehrfach die Erlaubnis verweigert, eine angemessene Behandlung für seine medizinischen Probleme durchführen zu lassen. Es wurde berichtet, dass Ajatollah Borudscherdi seit seiner Festnahme immer wieder gefoltert und misshandelt wurde.

Ohne Vorwarnung wurde Ajatollah Borudscherdi wurde aufgefordert, am 1. September 2008 vor dem Sondergerichtshof für die Geistlichkeit (SCC) zu erscheinen. Der SCC versuchte ihn zu zwingen, einer Regierungszeitung ein Interview zu geben und darin seine Überzeugungen zu widerrufen und den Obersten Führer des Iran um Vergebung zu bitten.

Am 2. September 2008 schrieb sein Arzt den iranischen Justizbehörden, um sie über die dringenden, vielfältigen und komplexen Erkrankungen seines Patienten zu informieren, die eine sofortige medizinische Versorgung außerhalb des Gefängnisses erforderlich machten. Der Arzt legte eine Diagnose von Ajatollah Borudscherdi Herzzustand vor, der Schmerzen in der Brust verursachte, was darauf hindeutete, dass wichtige Arterien blockiert wurden. Der Ajatollah litt auch unter einer Nierenerkrankung, die erhebliche Schmerzen verursachte und er hatte während der Haft rund 40 kg Gewicht verloren. Auch sein psychischer Zustand war sehr schlecht.

Am 10. September 2008, begaben sich die Ehefrau von Ajatollah Borudscherdi und der Anwalt der Familie ins Evin-Gefängnis, um den Ajatollah Papiere zur Ernennung des Anwalts unterzeichnen zu lassen. Ihnen wurde von der Gefängnisverwaltung der Zugang zu Ajatollah Borudscherdi verweigert. Amnesty International hält es für möglich, dass er und seine inhaftierten Anhänger gewaltlose politische Gefangene sind, die nur aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen festgehalten werden. Der Ajatollah und 17 seiner Anhänger waren zunächst zum Tode verurteilt worden, die Todesurteile wurden jedoch später fallen gelassen. Zusätzlich zu seiner Strafe von 11 Jahren Haft, wurde Ajatollah Borudscherdi seines Amtes enthoben (ihm wurde das Tragen seiner klerikalen Gewänder und dadurch auch die Ausübung seiner klerikalen Aufgaben untersagt), und sein Haus und sein Eigentum wurden beschlagnahmt.

Am 11. September 2008 berichtete Amnesty International erneut über eine schwerwiegende Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Ajatollah Borudscherdi, der weiterhin im Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten wurde.

Brief an den Generalsekretär der Vereinten Nationen

Am 1. Mai 2009 schrieb Ajatollah Borudscherdi einen Brief an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, in dem er bat, internationale Beobachter in den Iran zu entsenden, um den Weg für ein Referendum über die Staatsform zu ebnen und das iranische Volk zu unterstützen (siehe den Brief unter http://www.hrairan.org/index.php?option=com_content&view=article&id=967:456&catid=66:304&Itemid=293). Nach diesem Schreiben wurde Ajatollah Borudscherdi im Gefängnis am 5. Mai 2009 geschlagen und aus Protest begann er einen Hungerstreik. Die Gefängnisleitung erklärte angeblich der Familie des Ajatollahs, seine Telefonprivilegien, seine Familie und seinen Anwalt anzurufen, seien ausgesetzt worden und er werde seine jüngsten Äußerungen über ein Referendum bestraft. Zu diesem Zeitpunkt lagen Amnesty International keine Informationen über seinen gegenwärtigen Zustand in Bezug auf seinen Hungerstreik vor.

Seine Familie hatte Anwälte für ihn bestellt, aber der Sondergerichtshof für die Geistlichkeit (SCC) hatte diesen nicht erlaubt, den Ajatollah zu verteidigen, mit der Begründung, nur von der Justiz ernannte Kleriker könnten ihn vertreten.

Am 14. Mai 2009 berichtete Amnesty International darüber, dass Ajatollah Borudscherdi am 5. Mai 2009 im Yazd-Zentralgefängnis, im Innern des Irans, wohin er in der zweiten Jahreshälfte 2008 überführt worden war, geschlagen wurde. Seit dem 27. Januar 2009 wurde er dort in Einzelhaft gehalten. Nach Ansicht von Amnesty International kann es sich bei ihm um einen Gewissensgefangenen handeln, der nur wegen seiner religiösen Überzeugungen festgehalten wird.

Urgent action 2014

In einer Urgent Action am 2. April 2014 teilte Amnesty International mit, die Gesundheit von Ajatollah Borudscherdi, der als gewaltloser politischer Gefangener im Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten werde, verschlechtere sich weiter. Er bedürfe dringend ärztlicher Behandlung.

Im September 2013 war die Ehefrau Borudscherdis, Frau Akram Vali Dousti vom Sondergerichtshof für Kleriker (SCC) zum Verhör vorgeladen worden.

Gefängnisbeamte hatten dem Ajatollah mindestens in einem Fall im Oktober 2013 gesagt, dass er, sofern er nicht einen Brief schriebe, in dem er seine Überzeugungen widerruft, nie freigelassen würde. Borudscherdi, der eine 11-jährige Haftstrafe verbüßt, litt unter einer Reihe von Krankheiten, darunter Diabetes, Asthma, die Parkinson-Krankheit, Nieren- und Herzprobleme und starke Schmerzen in den Beinen und [in der Hüfte] [im Bauchraum]. Angeblich ist er inzwischen auf einem Auge teilweise erblindet. Sein Gesundheitszustand hat sich offenbar verschlechtert und er ist bereits mehrfach kollabiert. Bisher hat er nicht die notwendigen medizinischen Behandlungen erfahren, obwohl Gefängnisärzte im Februar 2014 erklärt hatten, er müsse in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses eingewiesen werden. In den inzwischen acht Jahren, die er im Gefängnis verbracht hatte, wurde Ajatollah Borudscherdi dreimal in eine Klinik eingewiesen.

Zuletzt wurde Ajatollah Borudscherdi im Evin-Gefängnis in einem Trakt für den Klerus gefangen gehalten, da er für die Trennung von Religion und Staat eingetreten war. Er wurde zunehmend unter Druck gesetzt, „Geständnisse“ zu verfassen und zu unterschreiben. Berichten zufolge durchsuchten Gefängniswärter am 15. März 2014 die Zelle Borudscherdis und zerstörten seine persönlichen Gegenstände. Dies geschah während der Besuchszeiten, in Anwesenheit seiner Familie. Seine Familienmitglieder wurden ebenfalls schikaniert, auch während eines Gefängnisbesuchs, bei dem sie sich invasiver Leibesvisitationen unterziehen mussten.

Quellen

Der Chronologie liegen - sofern nicht anders ausgewiesen - ausschließlich Berichte von Amnesty International zugrunde, die in englischer Sprache veröffentlicht wurden. Im Einzelnen sind dies die Dokumente

[MDE 13/114/2006: 29 September 2006] [MDE 13/120/2006:13 October 2006] [MDE 13/121/2006: 23 October 2006] [MDE 13/134/2006: 11 December 2006] [MDE 13/040/2007: 30 March 2007] [MDE 13/074/2007: 15 June 2007] [MDE 13/103/2007: 10 August 2007] [MDE 13/135/2008: 11 September 2008] [MDE 13/045/2009: 14 May 2009] [MDE 13/047/2009: 19 May 2009] [MDE 13/112/2010: 14 December 2010] [MDE 13/016/2014: 2 April 2014]