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''Auf dieser Seite finden Sie Rezensionen zu Büchern, die unsere Mitglieder gelesen und interessant gefunden haben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Büchern, die sich mit Menschenrechtsfragen, mit Flucht und Verfolgung beschäftigen. ''


Der Junge, der vom Frieden träumte (ISBN 978-3596032839)

Der 2016 im Fischer-Verlag erschienene Roman „Der Junge, der vom Frieden träumte“ erzählt die Lebensgeschichte des palästinensischen Ausnahmetalents Achmed von seiner Jugendzeit in den 50-ern bis hin zu seinem Wirken als Erwachsener und schließlich älterer Mann in den 2000-er Jahren. Die jüdische Autorin Michelle Cohen Corasanti thematisiert den Nahost-Konflikt auf israelischem Boden. In der Handlung des Buches lässt sie die beiden verfeindeten Volksgruppen Juden und Araber immer wieder aufeinandertreffen und sich in unterschiedlichen Zusammenhängen kennenlernen. In größter Armut aufgewachsen gelingt es dem palästinensischen Jungen Achmed ein Mathematik-Stipendium zu erhalten und ein Studium an einer israelischen Universität zu absolvieren. Sein wissenschaftlicher Erfolg ermöglicht ihm nicht nur die materielle Versorgung seiner nach Enteignung verarmten Familie, sondern auch den Erwerb von Achtung und Anerkennung durch seine israelischen Kollegen. So entwickelt sich Achmeds früherer jüdischer Professor, der seinen palästinensischen Studenten zunächst vehement ablehnte und ihm das Leben an der Universität schwer machte, im Laufe der Jahre zu seinem engsten Freund und Kollegen.

Die Handlung des Romans wird aus der Perspektive des jugendlichen und erwachsenen Mannes Achmed erzählt. Die Ungerechtigkeiten, die ihm und seiner Familie widerfahren, konfrontieren den Leser mit den leidvollen Erfahrungen, die das palästinensische Volk infolge der israelischen Besatzung seit 1948 erdulden muss. Der jüdischen Autorin geht es um einen Wechsel der Blickrichtung. Mit der Person des sympathischen, verantwortungsvollen und intelligenten Jungen und Mannes, mit seinen Gedanken und Handlungen nimmt sie ihr lesendes Publikum mit und erzeugt bei ihm Empathie und Solidarität für die Lebenssituation der palästinensischen Bevölkerung in Israel. Dabei ist es nicht Anspruch des Buches, historische Entwicklungen und komplexe politische Zusammenhänge darzustellen. Vielmehr zeigt der leicht zu lesende Unterhaltungsroman an Achmeds Werdegang wie vermeintliche Gewissheiten und Rollenzuweisungen ins Wanken geraten, wenn das Schicksal zwei verfeindete Seiten in der Arbeit und der Liebe zusammenführt.

Empfehlenswert für Palästina-Reisende und alle anderen, die sich in die Lage des in vielerlei Hinsicht verletzten Volkes hineinversetzen möchten und Erklärungen suchen für die feindliche, oft bis zum Hass gehende Stimmung gegen Juden in Ramallah und anderen palästinensischen Orten. Und letztendlich auch ein Plädoyer für Bildung, die neue Erfahrungs- und Erlebenswelten schafft und Möglichkeiten gemeinsamer Interessen und Ziele aufzeigt.

(Rezension: Birgit Bugiel)



Deutschland ist bedroht (ISBN 978-3827013286)

"Anfangs galt das, was ich tue als mutig. Inzwischen heißt es, ich begebe mich in Gefahr. Ich gehe ein persönliches Risiko ein, wenn ich die Wahrheit sage." Düzen Tekkal

Frau Tekkal hat als Journalistin mehrere Bücher geschrieben, reist durch Deutschland, geht an Schulen und zu Brennpunkten., spricht mit den Menschen und hat einen Film „Ha´war“ zu deutsch „Hilfe“ gedreht. Düzen Tekkal ist als Jesidin in Deutschland geboren und aufgewachsen. 2014 reiste sie in den Norden des Iraks und erlebte mit, wie der „Islamische Staat“ im Norden Iraks ihr eigenes Volk verfolgt und ermordet hat, die Frauen vergewaltigte und die Kinder als Sklaven verschleppte. Dieses Unbeschreibliche schildert sie in ihrem Buch und zeigt das in ihrem Film.

Das Buch „Deutschland ist bedroht“ ist ein Appell an die Menschlichkeit. Indem sie uns in Deutschland aufrütteln will, genau hin zu schauen, was auf unseren Straßen passiert. Sie beschreibt sehr genau, wie der IS Jugendliche in Europa und auch in Deutschland anwirbt und anlockt. „wir müssen Herausforderungen annehmen und uns bewusst werden, dass wir nicht mehr so weitermachen können wie bisher, weil sich die Umstände geändert haben.“ schreibt Düzen Tekkal.

(Rezension: Elisabeth Ney)



Im Meer schwimmen Krokodile (ISBN 978-3813504040)

In dem Roman von Fabio Geda, der 2012 als Taschenbuch im btb Verlag erschienen ist, wird die Geschichte des 10-jährigen Enaiat erzählt, den seine Mutter auf die Reise schickt, damit er in seinem Heimatland Afghanistan nicht zu Tode kommt. Er gelangt innerhalb von 4 Jahren über mehrere Zwischenstationen nach Italien und erhält dort Asyl. Die Geschichte ist fesselnd aus der Sicht des Kindes erzählt.

Der Autor Fabio Geda, Jahrgang 1972,lernte bei einer Lesung Enaiatollah Akbari kennen, der ihm über seine Flucht aus Afghanistan berichtete. Der Roman "Im Meer schwimmen Krokodile" erzählt die Geschichte von Enaiatollah Akbari.

"Als Enaiat eines Morgens erwacht, ist er allein. Er hat nichts als seine Erinnerungen und die drei Versprechen, die er seiner Mutter gegeben hat. Mit dem Ziel, ein besseres Leben zu finden, begibt er sich auf eine lange Reise Richtung Westen. Er durchwandert die Länder des Ostens bis nach Europa. Er reist auf Lastwagen, arbeitet, schlägt sich durch, lernt das Leben von seiner grausamen Seite kennen. Und trotzdem entdeckt er, was Glück ist …"

(Rezension: Bettina Rinke)

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